Private Krankenversicherungen überproportional von Kostensteigerungen betroffen?

Wie aus dem Schaubild unten zu erkennen ist, sind die Leistungsausgaben der privaten Krankenversicherungen im Verhältnis zu anderen Ausgaben (wie z.B. Ausgaben privater Haushalte, Leistungsausgaben der gesetzlichen Kassen, Ausgaben der öffentlichen Haushalte) am stärksten angestiegen.

Gesundheitsausgaben
Quelle: Focus 42/2005

Interessanterweise wird daraus gerne die Schlußfolgerung gezogen, daß privat Versicherte überproportional stark ihre Versicherung in Anspruch nehmen und/oder daß die Leistungserbringer wie Krankenhäuser und Ärzte die Privatversicherungen überproportional stark belasten.

Zu ersterem ist zu sagen, daß die Risikoverteilung in bezug auf Krankheiten in der PKV und GKV als gleich anzusehen ist, denn die Art der Versicherung behinhaltet keine Auswahl bezüglich der Krankheitsverläufe;
eine Vorauswahl zu möglichen Krankheitsverläufen wäre für die privaten Versicherer bei einer so großen Zahl (8 Mio. privat Versicherte) gar nicht möglich, zumal viele der Versicherten von klein auf Mitglied in einer privaten Krankenkasse sind. Daher ist der prozentuale Anteil von Krankheitsfällen in der GKV und PKV als gleich hoch anzusehen.

Zur zweiten Schlußfolgerung, die oft gezogen wird, daß die Leistungserbringer die Kassen übermäßig stark belasten, ist anzuführen, daß es durchaus Mitnahmeeffekte gibt. Aufgrund der Kürzungen der Leistungen im gesetzlichen Bereich versuchen Krankenhäuser und Ärzte, ihre Einnahmeausfälle auf Kosten der privaten Versicherer wieder wettzumachen. Allerdings ist auch für die PKV’s die Kostenerstattung weitgehenddurch die GOÄ/GOZ gesetzlich geregelt

Vollkommen unbeachtet bei all diesen Diskussionen bleibt der Aspekt, daß Privatversicherungen im Gegensatz zu den gesetzlichen nicht einfach ihre Leistungen aufgrund gesetzlicher Änderungen kürzen und die Kürzungen auf ihre Versicherten verlagern können. Interessanterweise ist die Gruppe, deren Gesundheitsausgaben am zweithöchsten gestiegen sind, die privaten Haushalte. Daran läßt sich aufzeigen, wie die Verteuerung nicht nur über die Beiträge geschieht, sondern auch daüber, daß Leistungen, die vormals vom gesetzlichen Versicherer erbracht wurden, nun vom Versicherten selbst bezahlt werden müssen.

Leistungen Vergleich

Quelle: Zahlenbericht 2003/2004, Verband der privaten Krankenversicherung e.V. Köln

Wie im obigen Schaubild zu sehen, steigen die Ausgaben der PKV’s für Behandlungen im Vergleichszeitraum von 1991 bis 2003 im Gegensatz zu den GKV’s immer stärker an. Da durch Leistungskürzungen bei den GKV’s ein Teil der Gesundheitsausgaben auf die gesetzlich Versicherten abgewältz wurde, ist es nur logisch, daß die geringeren Leistungsausgaben der gesetzlichen Kassen nur auf die gekürzten Leistungen zurückzuführen sind.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wieviel mehr die gesetzlich Versicherten neben ihrem Beitrag aus ihrem eigenen Geldbeutel zahlen müssen. Wenn man dann noch bedenkt, daß die Krankheitskosten bei älteren Versicherten einen erheblich größeren Anteil am Haushaltsbudget als bei jungen ausmachen und dann von den gesetzlichen Kassen erheblich weniger Erstattungen gezahlt werden, dann wird klar, daß gesetzlich Versicherte doppelt belastet werden, da sie durch die höheren Eigenaufwendungen für die Gesundheit ein geringeres, für sonstige Ausgaben zur Verfügung stehendes Einkommen haben. Die privat Versicherten hingegen haben die Sicherheit, von ihrem privaten Versicherungsträger die vertraglich garantierten Leistungen erstattet zu bekommen und wissen im voraus, welche Belastungen über den Beitrag hinaus im Alter auf sie zukommen.

Dieser Vergleich rückt die gesamte Diskussion über stabile Beiträge und langfristige Berechenbarkeit des Versicherungssystems in ein anderes Licht. Das Fazit: Privat Versicherte können sicher sein, daß sie die Leistungen, die sie versichert haben, auch bekommen und somit auch langfristig bis ins Alter ihre Gesundheitskosten planen und auch finanzieren können. Im Gegensatz dazu sind die gesetzlich Versicherten der Willkür des Gesetzgebers ausgeliefert. Die zusätzlichen Belastungen durch Leistungskürzungen sind absehbar, schon aufgrund des Mißverhältnisses zwischen der Anzahl von jungen und alten Mitgliedern; da die Gesundheitskosten im Alter steigen, werden die gesetzlichen Kassen immer mehr für die Versorgung der älteren Versicherten aufwenden müssen. Letztlich wird ein gesetzlich Versicherter insbesondere im Alter mit erheblich höheren Belastungen zu rechnen haben, als ein vergleichbar privat Versicherter.

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