Bleiben die Beiträge im Rentenalter für PKV Versicherte bezahlbar?
08.03.2006
Diese Frage scheint die Gemüter besonders zu bewegen. Interessanterweise wird von Seite der gesetzlichen Krankenversicherungen argumentiert, die privaten Versicherer hätten im Alter unbezahlbar hohe Beiträge und deswegen sei es viel günstiger und sicherer, in einer gesetzlichen Kasse zu bleiben.
Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall:
Erstens bleiben die gesetzlichen Kassen bei dieser Aussage jeden Beweis schuldig, wie hoch die Beiträge für gesetzlich versicherte Rentner sind; es wird nicht darauf eingegangen, daß immer nur auf den heutigen Zeitpunkt Bezug genommen wird. Dieses Argument mag noch vor 20 Jahren Gültigkeit gehabt haben, als die Privatversicherungen noch keine Rücklagen d.h. Altersdeckungsrückstellungen gebildet hatten. Seit 1971 aber bilden die Privatversicherungen Rücklagen, d.h., daß inzwischen auch jemand, der vor über 30 Jahren in eine private Kasse eingetreten ist, aufgrund dieser Rücklagen einen fest zugesagten Versicherungsschutz und einen kalkulierbaren Beitrag (der in der Regel unter dem Höchstsatz der gesetzlichen Kasse liegt) hat.
Zweitens haben privat Versicherte die Möglichkeit, durch Zahlung eines Aufschlags eine Beitragsreduktion im Rentenalter zu erhalten - dies nennt sich Alterungs-Sicherungs-Programm.
Interessanterweise wird in letzter Zeit argumentiert, daß die Kostensteigerungen bei den privaten Versicherungen stärker als bei den gesetzlichen sind und deswegen die Beiträge bei den Privatversicherungen stärker steigen werden als bei den gesetzlichen.
Hier ist jedoch zu beachten, daß die gesetzlichen Versicherer kontinuierlich ihre Leistungen kürzen, um so die Beiträge einigermaßen stabil zu halten, während die privaten Versicherer ihr Leistungsspektrum gar nicht in dieser Form kürzen können, da sie vertraglich daran gebunden sind. Interessant war dazu eine Aufstellung im FOCUS 42/2005 (vgl. unten), die zeigte, daß die Kostensteigerung für Gesundheitsausgaben zwar bei den privat Versicherten am höchsten, bei den Privathaushalten jedoch am zweithöchsten ist.

Quelle: Focus 42/2005
Dies zeigt, daß die gesetzlich Versicherten auf ihren Kosten sitzen bleiben und die gekürzten Leistungen privat bezahlen müssen. Dies führt dann letzten Endes , wieder zu einer Verringerung des Einkommens.
Entweder zahlt man die Kosten direkt oder über den Beitrag - da stellt sich dann schon die Frage, wozu man noch eine Gesetzliche Krankenkasse braucht, wenn ich sowieso später alles direkt bezahlen muß. Das Schlimme bei den gesetzlichen Kassen ist eigentlich, daß man jahrzehntelang hohe Beiträge zahlt, in der Hoffnung, irgendwann einmal einen günstigeren Beitragssatz zu haben. Man weiß aber letztendlich nicht, welchen Gegenwert man dann für seinen Beitrag erhält. Der Vorteil für die gesetzlichen ist, daß in der Vergangenheit das Leistungsspektrum der gesetzlichen Kassen recht breit gefaßt war und ein Großteil der Bevölkerung recht zufrieden damit war.
Die Frage ist, ob dies für die Beitragszahler, die sich heute zwischen gesetzlicher und privater Versicherung entscheiden können, so bleibt. Ich behaupte, die Leute, die sich heute privat versichern könnten und dies nicht tun, werden dies in 20 oder 30 Jahren bereuen, sich nicht privat versichert zu haben.